ADHS ERWACHSENE
ADHS bei Erwachsenen — körperliche Unruhe, die kein Tablet löst.
ADHS ist nicht nur kognitiv. Der Körper steht oft unter dauerhafter Mobilisierung — schwer stillzusitzen, schwer abzuschalten, schwer zu spüren.

ADHS bei Erwachsenen wird meist als Aufmerksamkeits- oder Exekutivproblem beschrieben — und vergisst dabei den Körper. Dabei zeigt die Forschung der letzten Jahre immer deutlicher, dass eine reduzierte Interozeption (die Fähigkeit, innere Körpersignale wahrzunehmen) und eine veränderte propriozeptive Verarbeitung zentrale Mitspieler sind.
Viele Betroffene leben in einem Dauerzustand körperlicher Aktivierung: schwer stillzusitzen, schwer einzuschlafen, schwer abzuschalten — nicht aus Unwillen, sondern aus einem Nervensystem, das die Bremse nicht findet. Medikamentöse Therapie kann helfen, ersetzt aber nicht das, was körperlich gelernt werden muss: differenzierte Wahrnehmung, langsame Bewegung, Selbstregulation von unten nach oben.
Somatische Methoden arbeiten genau hier — nicht gegen die Symptome, sondern an der körperlichen Grundlage von Aufmerksamkeit. Auf dieser Seite: die neurobiologischen Hintergründe, ein erster Zugang über propriozeptive Verankerung — und Lehrer, die mit erwachsenen ADHS-Klienten erfahren sind.
Die Mikro-Übung — Bodenanker
2 Min- 01
Gewicht in die Füße. Gesamtes Körpergewicht in die Füße verlagern. Druck unter Fersen und Ballen spüren.
- 02
Boden wegdrücken. Beide Füße leicht in den Boden drücken, als würdest du ihn wegschieben. Fünf Sekunden halten.
- 03
Loslassen und nachspüren. Loslassen. Nachwirkung wahrnehmen: Wärme, Präsenz. Dreimal wiederholen.
Verwandte Begriffe
- ADHS Erwachsene
- Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung
- exekutive Funktionen
- Interozeption
- Propriozeption
- Selbstregulation
- Bottom-up-Regulation
- Dopamin
- Nervensystem-Aktivierung
- somatische Achtsamkeit
- sensorische Integration
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Zur Lehrer-SucheHäufige Fragen
Sie ersetzt keine differenzialdiagnostische Abklärung und keine medikamentöse Therapie, wenn diese indiziert ist. Aber: Studien zur sensomotorischen und achtsamkeitsbasierten Arbeit bei ADHS zeigen Effekte auf Selbstregulation, Schlaf, Impulskontrolle und subjektives Stresserleben. Der Mechanismus läuft über verbesserte Interozeption und reduzierte sympathische Daueraktivierung — beides Bereiche, in denen viele Erwachsene mit ADHS Defizite zeigen.
Interozeption ist die Fähigkeit, innere Körpersignale wahrzunehmen — Herzschlag, Atem, Hunger, Sättigung, Spannung, Müdigkeit. Bei Erwachsenen mit ADHS ist diese Wahrnehmung häufig reduziert, was die Selbstregulation erschwert: Wer Müdigkeit erst spürt, wenn sie überwältigt, kann sie nicht rechtzeitig adressieren. Interozeption ist trainierbar — über langsame, aufmerksame Körperarbeit deutlich besser als über kognitive Strategien allein.
Weil das autonome Nervensystem oft in einer chronischen Mobilisierung steht — der Sympathikus arbeitet erhöht, der Vagusnerv bremst weniger. Das zeigt sich an erhöhter Muskelspannung (besonders im Kiefer, Nacken, Schultern), flacher Atmung, Schlafproblemen, Schwierigkeiten still zu sitzen. Es ist kein Willensproblem, sondern ein physiologischer Zustand — und genau dort, am Zustand, kann somatische Arbeit ansetzen.
Zwei Pole helfen, und beide haben Evidenz. Erstens: intensive aerobe Bewegung (Laufen, Schwimmen, Klettern) — sie reguliert Dopamin und reduziert Hyperaktivität. Zweitens: langsame, sensorisch differenzierte Bewegung (Feldenkrais, Somatic Experiencing, Yoga) — sie trainiert Interozeption und beruhigt den Sympathikus. Was nicht hilft: monotones Krafttraining ohne sensorischen Anteil. Die Kombination aus beiden Polen wirkt am stärksten.
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