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Rückenschmerzen im unteren Rücken: was die WHO heute empfiehlt – und warum Schonung selten hilft.
Du bückst dich nach der Tasche, und der Rücken sagt Nein. Meistens ist das nach ein paar Tagen vorbei. Wenn nicht, beginnt eine Suche, die viele Menschen über Jahre begleitet. Die gute Nachricht: Wir wissen heute ziemlich genau, was hilft und was nicht.
Redaktion The BodyIQ · 18. Oktober 2026 · 6 Min Lesezeit
Ein Problem von 619 Millionen Menschen
Die Zahl stammt aus der Global-Burden-of-Disease-Studie, 2023 in der Fachzeitschrift The Lancet Rheumatology erschienen. Rund jeder dreizehnte Mensch auf der Welt hatte 2020 Schmerzen im unteren Rücken, 60 Prozent mehr als 1990. Kreuzschmerz ist damit die häufigste Ursache für Jahre, die Menschen mit Einschränkungen leben.
Mindestens ein Drittel dieser Last hängt nach Angaben der Forschenden mit Dingen zusammen, die sich beeinflussen lassen: Belastungen im Beruf, Rauchen, Übergewicht.

Für alle, die gerade mittendrin stecken, ist eine andere Zahl wichtiger. Bei mindestens 90 Prozent der chronischen Rückenschmerzen in der Hausarztpraxis findet sich keine eindeutige körperliche Ursache, schreibt die WHO. Ärztinnen und Ärzte sprechen dann von chronisch primärem Kreuzschmerz: Er hält länger als drei Monate an, ohne dass eine Erkrankung dahintersteckt. Das klingt unbefriedigend. Es heißt aber auch: Im Rücken ist meistens nichts kaputt.
Was die WHO empfiehlt – und wovon sie abrät
Im Dezember 2023 hat die Weltgesundheitsorganisation zum ersten Mal eine eigene Leitlinie zum chronischen Kreuzschmerz veröffentlicht. Sie gilt für Erwachsene und betrachtet nur Behandlungen ohne Operation.
Empfohlen werden unter anderem:
- Schulungsprogramme, die Wissen und Selbsthilfe stärken
- Bewegungsprogramme
- einige manuelle Verfahren wie Massage oder Manipulation der Wirbelsäule
- psychologische Verfahren wie die kognitive Verhaltenstherapie
- bestimmte Medikamente, etwa nichtsteroidale Entzündungshemmer
Bei 14 Maßnahmen rät die WHO den meisten Menschen ab, weil der mögliche Schaden den Nutzen wahrscheinlich übersteigt. Dazu gehören Stützgürtel und Bandagen, Traktion und Opioide.
Auffällig ist, wie viel davon beim Menschen selbst ansetzt: verstehen, was im Rücken passiert, wieder in Bewegung kommen, anders mit dem Schmerz umgehen. Kein Gerät und kein Gürtel nimmt dir das ab.
Warum Schonung so oft nach hinten losgeht
Wer Schmerzen hat, bewegt sich vorsichtig. Das ist vernünftig, für ein paar Tage. Bleibt die Vorsicht, wird daraus ein Muster. Der Rücken wird festgehalten, der Atem bleibt flach, das Becken bewegt sich kaum noch. Dein Nervensystem lernt: Diese Gegend ist heikel, lieber nicht bewegen.
Dieses Festhalten kostet Kraft, und es kann den Schmerz am Laufen halten, auch wenn das Gewebe längst wieder in Ordnung ist. Mehr Training hilft dann oft nicht weiter. Was hilft, ist eine neue Erfahrung: dass Bewegung wieder leicht sein kann.
Was Feldenkrais dazu beitragen kann
In einer Feldenkrais-Stunde bewegst du dich langsam, klein und aufmerksam, oft im Liegen. Du zählst keine Wiederholungen. Du achtest darauf, wie eine Bewegung entsteht. Wo beginnt sie? Was machen Becken, Rippen und Kopf dabei? So findest du Alternativen zu dem Muster, das sich festgesetzt hat.
Eine Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse aus dem Jahr 2022 hat 16 randomisierte Studien zur Feldenkrais-Methode ausgewertet. Bei chronischem Kreuzschmerz besserten sich Schmerz und Alltagsfunktion. Beim Schmerz war Feldenkrais ungefähr so wirksam wie Rückenschule und Stabilisationstraining; bei Lebensqualität und Körperwahrnehmung schnitt es im Vergleich zum Stabilisationstraining besser ab.
Ehrlich gehört dazu: Für den Rücken waren es nur drei Studien mit zusammen 139 Teilnehmenden. Eine Bewertung im Auftrag der australischen Regierung kam 2024 zu dem Schluss, dass die Datenlage noch sehr unsicher ist. Feldenkrais ersetzt also keine ärztliche Abklärung. Es ist eine sanfte Art, wieder in Bewegung zu kommen, gerade für Menschen, denen klassisches Training zu viel ist.
Die Lektion
Die Becken-Uhr
5 MinIm Liegen- Schritt 1
Ankommen
45 SekLeg dich auf den Rücken und stell die Beine auf, die Füße etwa hüftbreit. Spür, wo dein Rücken den Boden berührt und wo nicht. Nichts verändern, nur bemerken.
- Schritt 2
Zwölf und sechs Uhr
75 SekStell dir unter deinem Becken das Zifferblatt einer Uhr vor: zwölf Uhr zeigt zum Kopf, sechs Uhr zu den Füßen. Roll das Becken ganz leicht Richtung zwölf, sodass der untere Rücken sich dem Boden nähert. Dann Richtung sechs, sodass ein kleines Hohlkreuz entsteht. Zehnmal, klein und langsam.
- Schritt 3
Drei und neun Uhr
60 SekJetzt seitlich: Das Becken rollt ein wenig nach rechts Richtung drei Uhr, dann nach links Richtung neun Uhr. Achte darauf, was deine Knie und Füße dabei tun.
- Schritt 4
Der kleine Kreis
60 SekVerbinde die Punkte zu einem Kreis, sehr klein. Fünfmal im Uhrzeigersinn, fünfmal dagegen. Wo wird der Kreis eckig? Dort darf er noch kleiner werden.
- Schritt 5
Nachspüren
60 SekStreck die Beine aus und ruh dich aus. Liegt dein Rücken anders auf als am Anfang? Steh danach langsam über die Seite auf.
Wenn eine Bewegung wehtut, mach sie kleiner oder lass sie weg. Schmerz ist hier kein Zeichen von Fortschritt.
Wann du ärztlich abklären lassen solltest
Geh bitte zeitnah zur Ärztin oder zum Arzt, wenn zu den Rückenschmerzen Taubheit oder Lähmungen in den Beinen kommen, wenn sich beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang etwas verändert, bei Fieber, nach einem Sturz oder Unfall, bei unerklärtem Gewichtsverlust oder bei starken Schmerzen in der Nacht.
Häufige Fragen
Was hilft schnell gegen Schmerzen im unteren Rücken?
In Bewegung bleiben, so gut es geht, und Bettruhe vermeiden. Wärme empfinden viele als angenehm. Ohne Warnzeichen bessern sich akute Rückenschmerzen meist innerhalb weniger Wochen. Halten sie länger an, lohnt sich ärztlicher Rat und ein angeleitetes Bewegungsprogramm.
Ist Feldenkrais bei einem Bandscheibenvorfall geeignet?
Das klärst du am besten zuerst mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Viele Feldenkrais-Lehrkräfte arbeiten mit Menschen nach einem Bandscheibenvorfall, in Einzelstunden besonders behutsam. Sag deiner Lehrkraft vor der ersten Stunde, was diagnostiziert wurde.
Wie oft sollte ich üben?
Kurz und regelmäßig wirkt besser als selten und lang. Zehn Minuten an mehreren Tagen der Woche sind ein guter Anfang. Eine Gruppenstunde pro Woche gibt dir neue Bewegungsideen für zu Hause.
Quellen
- GBD 2021 Low Back Pain Collaborators. Global, regional, and national burden of low back pain, 1990–2020, its attributable risk factors, and projections to 2050. The Lancet Rheumatology. 2023;5(6):e316–e329. Quelle
- World Health Organization. WHO guideline for non-surgical management of chronic primary low back pain in adults in primary and community care settings. Genf, 2023. Quelle
- Berland R, Marques-Sule E, Marín-Mateo JL, Moreno-Segura N, López-Ridaura A, Sentandreu-Mañó T. Effects of the Feldenkrais Method as a Physiotherapy Tool: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. International Journal of Environmental Research and Public Health. 2022;19(21):13734. Quelle
- Cochrane Australia im Auftrag des NHMRC. Natural Therapies Review 2024: Feldenkrais – Evidence Evaluation. 2024. Quelle
Dieser Artikel dient der Orientierung und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Feldenkrais ist Bewegungspädagogik.
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