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Somatische Übungen: was hinter dem Trend steckt – und was davon wirklich trägt.
„Somatic“ ist in sozialen Medien zum Schlagwort geworden. Hinter dem Begriff stehen aber Methoden mit langer Geschichte und sehr unterschiedlichen Ansätzen. Ein Überblick, ohne Hype.
Redaktion The BodyIQ · 10. Oktober 2026 · 4 Min Lesezeit

Auf Instagram und TikTok versprechen „somatische Übungen“, Stress, Trauma oder Gewicht einfach „aus dem Körper zu schütteln“. Das klingt verlockend und ist meist zu einfach. Trotzdem steckt in dem Begriff etwas Wertvolles, wenn man genauer hinschaut.
Was „somatisch“ bedeutet
„Soma“ ist griechisch und heißt Körper. Gemeint ist aber nicht der Körper als Objekt, den man von außen betrachtet, sondern der Körper, wie du ihn von innen erlebst. Der Philosoph und Bewegungstherapeut Thomas Hanna prägte in den 1970er-Jahren den Begriff „Somatics“ als Sammelbegriff für Methoden, die genau dort ansetzen: bei der eigenen Wahrnehmung von Bewegung.
Zu den Pionieren dieser Methoden zählt Moshé Feldenkrais. Gemeinsam ist ihnen der Gedanke, dass sich Spannung, Haltung und Bewegung verändern, wenn sich die Wahrnehmung verändert.
Was die Begriffe unterscheidet
- Body Scan stammt aus dem Achtsamkeitstraining MBSR, das Jon Kabat-Zinn Ende der 1970er-Jahre entwickelte. Du wanderst mit der Aufmerksamkeit durch den Körper, ohne dich zu bewegen. Ziel ist Wahrnehmung, nicht Veränderung.
- Somatic Yoga ist kein geschützter Begriff. Meist sind langsame, achtsame Bewegungsfolgen gemeint, oft mit Elementen aus Yoga, Feldenkrais oder Hanna Somatics. Was genau dahintersteckt, hängt stark von der Lehrperson ab.
- Feldenkrais arbeitet mit kleinen, langsamen, oft ungewohnten Bewegungen. Du vergleichst, was sich leicht und was sich schwer anfühlt, und das Nervensystem lernt daraus neue Möglichkeiten. Es gibt Gruppenstunden (Bewusstheit durch Bewegung) und Einzelstunden (Funktionale Integration).
- Somatic Experiencing ist dagegen ein traumatherapeutischer Ansatz von Peter Levine und gehört in therapeutische Hände, nicht in Selbsthilfe-Videos.
Was somatische Übungen leisten können – und was nicht
Somatische Übungen können helfen, Spannung zu bemerken, bevor sie zum Schmerz wird, die Atmung zu beruhigen und Bewegung wieder leichter zu machen. Viele Menschen erleben sie als angenehm ruhige Form der Bewegung, gerade wenn klassischer Sport sich gerade nicht richtig anfühlt.
Sie sind aber kein Ersatz für eine Psychotherapie bei Trauma, Angststörung oder Depression. Und kein Video kann „Trauma aus den Hüften lösen“. Wer belastende Erfahrungen verarbeiten möchte, sucht sich dafür am besten fachliche Begleitung.
Die Lektion: die Schulter-Lektion – 4 Minuten
Die Lektion
Die Schulter-Lektion
4 MinIm Sitzen- Schritt 1
Wahrnehmen
30 SekSetz dich an die vordere Kante eines Stuhls. Spür, wie deine Schultern gerade hängen. Ist eine höher als die andere? Fühlt sich eine schwerer an?
- Schritt 2
Heben und senken
60 SekHeb die rechte Schulter ein kleines Stück in Richtung Ohr und lass sie langsam wieder sinken. Achtmal. Mach die Bewegung jedes Mal etwas leichter, nicht größer.
- Schritt 3
Vor und zurück
60 SekSchieb die rechte Schulter ein kleines Stück nach vorn und zurück zur Mitte, dann ein Stück nach hinten und wieder zur Mitte. Achtmal. Spür, was sich im Brustkorb und im Rücken mitbewegt.
- Schritt 4
Ein kleiner Kreis
45 SekVerbinde die Richtungen zu einem langsamen Kreis: nach vorn, nach oben, nach hinten, nach unten. Einige Runden in jede Richtung. Wo wird der Kreis eckig? Dort darfst du langsamer werden.
- Schritt 5
Vergleichen
45 SekLass beide Arme hängen. Wie fühlen sich die beiden Schultern jetzt an? Welche wirkt länger, weicher, leichter?
Die meisten Menschen spüren nach dieser kurzen Lektion einen deutlichen Unterschied zwischen beiden Seiten. Das ist der Kern somatischen Lernens: Das Nervensystem bemerkt einen leichteren Weg. Wenn du magst, wiederhole die Lektion danach mit der linken Schulter.
Häufige Fragen
Was sind somatische Übungen?
Somatische Übungen sind langsame, achtsame Bewegungen, bei denen die eigene Wahrnehmung im Mittelpunkt steht. Statt Kraft oder Dehnung geht es darum zu spüren, wie du dich bewegst, und so Spannung und Gewohnheiten zu verändern.
Was ist ein Body Scan?
Ein Body Scan ist eine Achtsamkeitsübung, bei der du die Aufmerksamkeit nacheinander durch alle Körperbereiche lenkst, ohne dich zu bewegen. Er stammt aus dem Programm MBSR und wird häufig zur Entspannung und zum Einschlafen genutzt.
Ist Somatic Yoga dasselbe wie Feldenkrais?
Nein. Somatic Yoga ist kein fest definierter Begriff und wird sehr unterschiedlich unterrichtet. Feldenkrais ist eine eigenständige Methode mit einer mehrjährigen Ausbildung. Manche Somatic-Yoga-Angebote verwenden aber Elemente aus Feldenkrais.
Sind somatische Übungen für Anfänger geeignet?
Ja. Die Bewegungen sind klein, langsam und brauchen weder Kraft noch Beweglichkeit. Wichtig ist nur, im angenehmen Bereich zu bleiben und nichts zu erzwingen.
Quellen
- Hanna T. Somatics: Reawakening the Mind's Control of Movement, Flexibility, and Health. Reading, MA: Addison-Wesley; 1988. wikipedia.org
- Kabat-Zinn J. Full Catastrophe Living: Using the Wisdom of Your Body and Mind to Face Stress, Pain, and Illness. New York: Delacorte; 1990. wikipedia.org
Dieser Artikel dient der Orientierung und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Feldenkrais ist Bewegungspädagogik.
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